Wirksamkeit der Händedesinfektion
Die Wirksamkeit der Händedesinfektion beschreibt das Vermögen, transiente Mikroorganismen (Viren, Bakterien, Pilze) auf der Haut zu inaktivieren oder abzutöten. Sie ist die wichtigste Einzelmaßnahme zur Unterbrechung von Infektionsketten in medizinischen, pflegerischen und alltäglichen Bereichen.
Spezifikationen und Standards
Die Wirksamkeit von Händedesinfektionsmitteln wird in standardisierten Testverfahren nachgewiesen und in definierte Wirkspektren unterteilt:
- Begrenzt viruzid: wirksam gegen behüllte Viren, zum Beispiel Influenza-, Corona-, HI- sowie Hepatitis-B- und Hepatitis-C-Viren.
- Begrenzt viruzid PLUS: wirksam gegen behüllte Viren und zusätzlich gegen bestimmte unbehüllte Viren, insbesondere Adeno-, Noro- und Rotaviren.
- Viruzid: wirksam gegen behüllte und unbehüllte Viren.
- Bakterizid und levurozid: wirksam gegen vegetative Bakterien und Hefepilze.
- Weitere Wirkspektren: Angaben wie tuberkulozid, mykobakterizid oder fungizid müssen gesondert ausgewiesen sein.
Einflussfaktoren auf die Wirksamkeit
Die Wirksamkeit ist maßgeblich von der korrekten Anwendung abhängig und kann durch folgende Parameter beeinflusst werden:
- Auf trockene Haut auftragen: Auf feuchten Händen verdünnt sich das Desinfektionsmittel, was die Wirksamkeit drastisch herabsetzt. Hände müssen vor der Anwendung stets trocken sein.
- Benetzungstechnik: Lückenlose Benetzung (Handflächen, Handrücken, Nagelfalze, Fingerkuppen, Fingerzwischenräume, Daumen und Handgelenke) ist entscheidend.
- Einwirkzeit: Das Mittel muss die Haut während der gesamten Einreibezeit (bis zur vollständigen Verdunstung) feucht halten. Hierfür ist eine ausreichende Dosierung erforderlich.
- Dosis: Es werden 3 bis 5 ml (je nach Hersteller und Handgröße) bzw. eine handfüllende Menge des alkoholischen Präparats benötigt.
- Schmuck: Ringe, Armbanduhren, künstliche Fingernägel oder Nagellack verhindern die mechanische Reinigung und Keimreduktion.
Vorgaben der KRINKO und WHO
Die Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) am Robert Koch-Institut (RKI) und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) nennen zentrale Anforderungen an die wirksame Durchführung der Händedesinfektion.1 2
Die wichtigsten Empfehlungen sind:
- Drei praktische Säulen der Wirksamkeit: Eine Händedesinfektion ist nur wirksam, wenn sie zum richtigen Zeitpunkt, mit ausreichender Menge und mit vollständiger Benetzung aller Handbereiche durchgeführt wird.
- Indikationen beachten: Die Händedesinfektion soll zu den relevanten Momenten der Patientenversorgung erfolgen, insbesondere vor Patientenkontakt, vor aseptischen Tätigkeiten, nach Kontakt mit potenziell infektiösem Material, nach Patientenkontakt und nach Kontakt mit der unmittelbaren Patientenumgebung. Die WHO fasst dies als „5 Moments for Hand Hygiene“ zusammen.3
- Menge und Einwirkzeit einhalten: Das Desinfektionsmittel muss so dosiert werden, dass alle Handflächen während der gesamten, empfohlenen Einwirkzeit des Desinfektionsmittels benetzt bleiben.
- Alle Handbereiche einreiben: Beide Hände müssen vollständig benetzt werden. In Benetzungslücken kann das Präparat nicht wirken.
- Hautschutz und Hautpflege sicherstellen: Hautschutz und Hautpflege gehören zur wirksamen Händehygiene. Geschädigte Haut ist schlechter desinfizierbar und kann leichter mit Mikroorganismen besiedelt werden.
- Schmuck und künstliche Nägel vermeiden: Ringe, Armbänder, Uhren, Piercings an Händen und Unterarmen sowie künstliche Fingernägel behindern eine sachgerechte Händedesinfektion und erhöhen das Risiko von Benetzungslücken oder Keimreservoiren.
- Spender hygienisch bedienen: Händedesinfektionsmittelspender sollen so angebracht und bedient werden, dass eine Kontamination möglichst vermieden wird. Die Bedienung per Ellenbogen oder berührungslos ist hygienisch sinnvoll; der Auslass des Spenders darf nicht mit den Händen berührt werden.
Abgrenzung: Händedesinfektion vs. Händewaschen
Händedesinfektion und Händewaschen verfolgen unterschiedliche Ziele. Die Händedesinfektion dient der gezielten Reduktion von Mikroorganismen auf den Händen. Händewaschen entfernt vor allem Schmutz, organisches Material und Rückstände mechanisch. Welche Maßnahme sinnvoll ist, hängt vom Kontext, vom Verschmutzungsgrad und vom Infektionsrisiko ab.
Im medizinischen Kontext
Die hygienische Händedesinfektion dient der gezielten Abtötung bzw. Inaktivierung von Mikroorganismen auf den Händen. Bei nicht sichtbar verschmutzten Händen ist ein alkoholisches Händedesinfektionsmittel in den meisten klinischen Situationen die bevorzugte Maßnahme, weil es schnell wirkt, gut praktikabel ist und eine höhere Keimzahlreduktion erreicht als Händewaschen mit Wasser und Seife. Unter Testbedingungen erzielen alkoholische Einreibepräparate nach 30 Sekunden durchschnittlich etwa 3,5 log10 Keimreduktion, also rund 99,97 %. Händewaschen mit einfacher Seife liegt nach 30 Sekunden bei etwa 1,8–2,8 log10.4
Händewaschen dient primär der mechanischen Entfernung von sichtbarem Schmutz, organischem Material und bestimmten Erregern. Es ist vor allem dann erforderlich, wenn Hände sichtbar verschmutzt sind oder organisches Material wie Blut, Sekrete oder Exkrete entfernt werden muss.
Ein Sonderfall ist der mögliche Kontakt mit Sporenbildnern wie Clostridioides difficile. Alkoholische Händedesinfektionsmittel wirken gegen bakterielle Sporen nicht ausreichend. In solchen Situationen ist gründliches Händewaschen zur mechanischen Entfernung erforderlich; je nach Hygieneregel kann es mit einer hygienischen Händedesinfektion kombiniert werden.
Häufiges Händewaschen kann die Haut belasten, da Hautlipide und natürliche Feuchthaltefaktoren ausgewaschen werden und dadurch Irritationen entstehen können. Moderne alkoholische Einreibepräparate enthalten häufig pflegende bzw. rückfettende Bestandteile und sind bei korrekter Anwendung meist hautverträglicher als wiederholtes Waschen mit Wasser und Seife.
Im privaten Kontext
Im privaten Alltag steht das Händewaschen mit Wasser und Seife im Vordergrund. Es entfernt Schmutz, Alltagserreger und Rückstände mechanisch von der Haut, etwa vor dem Essen, vor der Lebensmittelzubereitung sowie nach Husten, Niesen oder Naseputzen.
Händedesinfektion kann ergänzend sinnvoll sein, wenn kein Waschplatz verfügbar ist, ein erhöhtes Infektionsrisiko besteht oder häusliche Pflege durchgeführt wird. In der häuslichen Pflege sollte ärztlich abgeklärt werden, wann eine zusätzliche Händedesinfektion empfohlen ist.
Bei sichtbarer Verschmutzung, Magen-Darm-Erkrankungen oder möglichem Kontakt mit Sporenbildnern reicht eine alkoholische Händedesinfektion allein nicht sicher aus. In diesen Situationen bleibt gründliches Händewaschen wichtig. Gleichzeitig sollte übermäßiges Waschen vermieden und die Haut regelmäßig gepflegt werden.
Quellen:
- KRINKO/RKI: Händehygiene in Einrichtungen des Gesundheitswesens. Empfehlung der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention beim Robert Koch-Institut.
https://www.rki.de/DE/Themen/Infektionskrankheiten/Krankenhaushygiene/KRINKO/Empfehlungen-der-KRINKO/Basishygiene/Downloads/Haendehyg_Rili.pdf?__blob=publicationFile&v=6 ↩︎ - WHO: WHO Guidelines on Hand Hygiene in Health Care. First Global Patient Safety Challenge: Clean Care is Safer Care. Geneva: World Health Organization, 2009.
https://www.who.int/publications/i/item/9789241597906 ↩︎ - WHO: Your 5 Moments for Hand Hygiene. Poster. World Health Organization.
https://cdn.who.int/media/docs/default-source/integrated-health-services-%28ihs%29/infection-prevention-and-control/your-5-moments-for-hand-hygiene-poster.pdf ↩︎ - WHO: Review of preparations used for hand hygiene. In: WHO Guidelines on Hand Hygiene in Health Care. First Global Patient Safety Challenge: Clean Care is Safer Care. Geneva: World Health Organization, 2009.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK144041/ ↩︎

Hygienische Händedesinfektion im klinischen Alltag