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Glossar

Dosiermenge Händedesinfektion

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Die Dosiermenge ist das für eine sichere Händedesinfektion benötigte Volumen an Händedesinfektionsmittel (flüssig, gelförmig, schaumförig). Sie muss ausreichen, um alle Handflächen während der vom Hersteller deklarierten Einwirkzeit vollständig zu benetzen und ist neben der Einreibetechnik der entscheidende Faktor zur zuverlässigen Keimreduktion.

Empfohlene Dosiermenge

Die optimale Menge nach geltenden Empfehlungen und der individuellen Anatomie der Hände:

  • Empfehlungen: Gemäß der S2k-Leitlinie werden für eine hygienische Händedesinfektion mindestens 3 ml empfohlen. Die KRINKO/RKI-Empfehlungen nennen eine Spanne von 3 bis 5 ml.
  • Individueller Bedarf: Die tatsächlich benötigte Menge kann je nach Handgröße variieren. Größere Hände benötigen tendenziell mehr Händedesinfektionsmittel, um alle Areale sicher zu benetzen. [Abb. 2].

Relevanz der korrekten Dosierung

Eine präzise Dosierung schützt sowohl den Patienten (Sicherheit) als auch den Anwender (Hautgesundheit):

  1. Unterdosierung: Eine zu geringe Menge führt zu einer vorzeitigen Abtrocknung der Hände. Die vom Hersteller angegebene Einwirkzeit (in der Regel 30 Sekunden) kann nicht eingehalten werden, wodurch die Keimreduktion unzureichend bleibt.
  2. Überdosierung: Eine zu üppige Menge führt zu unnötigem Mehrverbrauch und zum Vertropfen des Mittels. Zudem kann ein permanentes Übermaß an Desinfektionsmittel den Lipidverlust der Haut steigern und die natürliche Hautbarriere belasten.

Methoden zur Ermittlung der individuellen Dosiermenge

Messmethoden helfen dabei, die für die eigene Handgröße benötigte Menge objektiv zu bestimmen. So lässt sich ermitteln, wie viele Milliliter erforderlich sind, und zugleich ein Gefühl dafür entwickeln, wie viel Desinfektionsmittel dafür in die Hohlhand gegeben werden muss.

DesiCoach®-Methode

DesiCoach® ist eine visuelle Trainingsmethode der Händedesinfektion – basierend auf einer Färber- und einer Entfärberlösung.

  • Der Färber wird in die Hohlhand dosiert. Nach dem Einreiben färben sich die Hände ein. Die sichtbare Verteilung zeigt, ob die dosierte Menge und die Einreibetechnik ausreichen, um alle Handareale zu erreichen [Abb. 3].
  • Die erzielte Farbintensität kann visuell mit einer Farbskala verglichen werden [Abb. 4].

Stoppuhr-Methode

Hier wird die Zeit bis zum Abtrocknen mit der Stoppuhr gemessen.

  • Herkömmliches Desinfektionsmittel wird mithilfe einer Dosierpipette in die Hohlhand dosiert. Während des Einreibens wird die Zeit bis zur vollständigen Abtrocknung der Hände gemessen.
  • Sind die Hände vor Ablauf der geforderten Einwirkzeit (meist 30 Sek.) trocken, muss die Menge erhöht und erneut mit der Stoppuhr gemessen werden.

Faustregeln – Anwendungshilfen im Alltag

„Eine Hohlhand voll“

Die Hohlhand als individueller Messbecher: Die WHO empfiehlt, eine Hohlhand voll Händedesinfektionsmittel zu verwenden und damit alle Handflächen vollständig zu benetzen.1 Hierbei dient die zur Schale geformte Handfläche als individuelles Maß und ermöglicht eine an die Handgröße angepasste Dosierung. Denn wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass die benötigte Menge an Händedesinfektionsmittel mit der Handgröße zusammenhängt.2 3 Im Vorfeld können Trainings dabei helfen, ein Gefühl für die individuell benötigte Dosiermenge in der eigenen Hohlhand zu entwickeln.

„Pumphübe zählen“

Pumphübe sind kein verlässliches Mengenmaß: Häufig wird die Dosiermenge pauschal in „Pumphüben“ angegeben. Diese Methode gilt jedoch als ungenau. Studien zeigen, dass die tatsächlich abgegebene Menge je Pumphub sowohl zwischen verschiedenen Spendersystemen als auch beim gleichen Spender schwanken kann – unter anderem abhängig von Produkt, Füllstand und Nutzungsintervall.4 Ohne Kenntnis des konkreten Dosiervolumens des Spenders bietet das Zählen von Pumphüben somit keine verlässliche Orientierung für die erforderliche Flüssigkeitsmenge bei der Händedesinfektion.

Einfluss der Darreichungsform

Je nach Beschaffenheit des Mittels ergeben sich Besonderheiten in der Anwendung. Dabei sind die jeweiligen Herstellerangaben, insbesondere zu Dosiermenge und Einwirkzeit, zu beachten.

  • Flüssige Präparate: Flüssige Händedesinfektionsmittel gelten als Standard für die schnelle Benetzung und sind in medizinischen Einrichtungen weit verbreitet. Sie verteilen sich leicht auf der gesamten Hautoberfläche. Bei zu hoher Menge können sie jedoch leichter vertropfen.
  • Gels: Gele sind dickflüssiger und tropfen weniger schnell. Sie müssen sorgfältig verrieben werden, damit alle Handareale erreicht werden. Die Dosiermenge sollte nicht reduziert werden, nur weil sich das Gel ergiebiger anfühlt.
  • Schaum (Foam): Bei Schaumpräparaten sollte nicht das sichtbare Schaumvolumen als Maßstab dienen. Eine Hohlhand voll Schaum entspricht nicht automatisch der benötigten Produktmenge. Entscheidend ist, dass ausreichend Produkt aufgetragen wird und alle Handareale während der Einwirkzeit vollständig benetzt bleiben.


Quellen:

  1. World Health Organization (WHO): WHO Guidelines on Hand Hygiene in Health Care: First Global Patient Safety Challenge – Clean Care is Safer Care. Genf: World Health Organization, 2009, S. 152, 155. Zugriff am 26.08.2026.
    https://iris.who.int/bitstream/handle/10665/44102/9789241597906_eng.pdf ↩︎
  2. Zingg W, Haidegger T, Pittet D: Hand coverage by alcohol-based handrub varies: Volume and hand size matter. American Journal of Infection Control. 2016;44(12):1689–1691. DOI: 10.1016/j.ajic.2016.07.006. Zugriff am 26.08.2026.
    https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/27566875/ ↩︎
  3. Bellissimo-Rodrigues F, Soule H, Gayet-Ageron A, Martin Y, Pittet D: Should Alcohol-Based Handrub Use Be Customized to Healthcare Workers’ Hand Size? Infection Control & Hospital Epidemiology. 2016;37(2):219–221. DOI: 10.1017/ice.2015.271. Zugriff am 26.08.2026.
    https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/26598073/ ↩︎
  4. Bánsághi S, Soule H, Guitart C, Pittet D, Haidegger T: Critical Reliability Issues of Common Type Alcohol-Based Handrub Dispensers. Antimicrobial Resistance & Infection Control. 2020;9:90. DOI: 10.1186/s13756-020-00735-4. Zugriff am 26.08.2026.
    https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32571388/ ↩︎


Abb. 1: Dosieren mit Pumpspender

Abb. 2: Individuelle Dosiermenge in Abhängigkeit von der Handgröße

Drei Einzelmomente des Trainings der Händedesinfektion mit dem DesiCoach®-Färber werden mit Fotos von Händen veranschaulicht.

Abb. 3: DesiCoach®-Methode – Dosiermenge und Benetzungslücken werden nach dem Einreiben sichtbar

Abb. 4: DesiCoach®-Methode – die Intensität der Färbung zeigt die individuell ausreichende Dosiermenge




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