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Anleitung zur Händedesinfektion – nach Standard und modernen Ansichten

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Die korrekte Anleitung zur Händedesinfektion bildet das Fundament der Infektionsprävention. Ziel der hygienischen Händedesinfektion ist es, die transiente (vorübergehend anhaftende) Keimflora so weit zu reduzieren, dass keine Infektionsgefahr mehr von den Händen ausgeht.

In der Praxis wird häufig die 6-Schritte-Methode gemäß EN 1500 genannt, während moderne Ansätze den Fokus verstärkt auf eine eigenverantwortliche Einreibetechnik legen.

Vorbereitung: Basis für eine wirksame Desinfektion

Bevor mit der Händedesinfektion begonnen wird, sind folgende Bedingungen sicherzustellen:

  • Schmucklosigkeit: Da Keime unter Schmuckstücken und Fingernägeln geschützt überleben können, sollen Hände und Unterarme frei von Ringen, Armbanduhren und Armreifen sein. Fingernägel sollen möglichst kurz und unlackiert sein.
  • Trockene Hände: Das Desinfektionsmittel soll nur auf trockene Haut aufgetragen werden. Feuchtigkeit führt zu Verdünnungseffekten und kann Hautreizungen begünstigen.
  • Kontaktlose Bedienung: Um Kreuzkontaminationen zu vermeiden, ist der Spender idealerweise mit dem Ellbogen zu betätigen.

Durchführung: Menge & Einreibetechnik

  • Menge: Es muss eine ausreichende Dosiermenge Händedesinfektionsmittel (je nach Handgröße ca. 3–5 ml) entnommen werden, sodass alle benetzten Hautpartien während der vom Hersteller deklarierten Einwirkzeit (in der Regel 30 Sek) durchgehend feucht bleiben.
  • Einreibetechnik: Die Einreibetechnik sollte gewährleisten, das alle Bereiche der Hände und Handgelenke vollständig benetzt sind und für die Dauer der Einwirkzeit feucht bleiben.

Die klassische Methode: 6 Schritte

Die weit verbreitete Anleitung orientiert sich an sechs Schritten aus der Prüfmethode EN 1500, die jeweils ca. 5 Mal wiederholt werden.

  1. Handfläche auf Handfläche.
  2. Rechte Handfläche über linkem Handrücken und umgekehrt.
  3. Handfläche auf Handfläche mit gespreizten Fingern.
  4. Außenseite der verschränkten Finger in die gegenüberliegende Handfläche.
  5. Einreiben der Daumen in der geschlossenen Handfläche.
  6. Geschlossene Fingerkuppen kreisend in der Handfläche reiben.

Diese bekannte Methode berücksichtigt die wesentlichen Bereiche der Hände systematisch und kann dadurch helfen, die Einreibung nachvollziehbar zu vermitteln. Die EN 1500 wurde jedoch primär als standardisierte Prüfmethode für hygienische Händedesinfektionsmittel entwickelt. Sie ist daher nicht automatisch als verbindliche Anleitung für die tägliche Anwendungspraxis zu verstehen. Neben der klassischen 6-Schritte-Methode rückt daher heute stärker die eigenverantwortliche Einreibetechnik in den Fokus.

Die moderne Methode: Fokus auf das Ergebnis

Die moderne Infektionsprävention empfiehlt mittlerweile häufig die eigenverantwortliche Einreibemethode. Dabei steht nicht eine festgelegte Reihenfolge einzelner Bewegungen im Vordergrund – entscheidend ist, dass Anwenderinnen und Anwender bewusst auf das Ergebnis achten.

Studien zur Einreibetechnik1 und die fachliche Einordnung der Aktion Saubere Hände2 zeigen, dass eine starre Schrittfolge in der Praxis nicht automatisch zu besseren Ergebnissen führt. Auch die AWMF-S2k-Leitlinie „Händedesinfektion und Händehygiene“3 betont, dass für die Wirksamkeit vor allem die vollständige Benetzung der Hände während der Einwirkzeit entscheidend ist.

Der Vorteil: Statt eine starre Choreografie zu befolgen (Fokus auf den Bewegungsablauf), liegt das Augenmerk gezielt auf einer Strategie zur lückenlosen Benetzung aller Hautflächen (Fokus auf das Ergebnis) und fördert somit die eigene Motivation bei der Anwendung.

Wichtige Grundsätze nach S2k-Leitlinie:

  1. Ausreichende Menge verwenden: Zur ausreichenden Benetzung sollen mindestens 3 ml Desinfektionslösung aufgetragen werden.
  2. Auf vollständige Benetzung achten: Die Lösung soll beim Einreiben der Hände gleichmäßig verteilt werden, so dass die gesamte Oberfläche der Hände (Fingerspitzen, Nagelfalze, Daumen, Fingerzwischenräume, Innen- und Außenflächen sowie Handgelenke) vollständig benetzt ist.
  3. Kritische Bereiche gezielt einbeziehen: Besonders kritische und häufig vergessene Bereiche, wie Nagelfalze, Fingerkuppen und Daumen, sollen bewusst und intensiv behandelt werden.
  4. Feucht halten bis zum Ende der Einwirkzeit: Die Hände sollen während der vom Hersteller deklarierten Einwirkzeit feucht bleiben. Als Mindesteinwirkzeit sollen 15 Sek. eingehalten werden. Werden sie vor Ablauf der Einwirkzeit trocken, sollte Desinfektionsmittel nachdosiert werden. Nach Ablauf der Einwirkungszeit sollen die Hände nicht abgetrocknet werden.

Die optimale Reihenfolge: Priorisierung der „Hotspots“

Um die Sicherheit zu maximieren, empfiehlt es sich, das frische Desinfektionsmittel zuerst dort einzureiben, wo die Keimdichte am höchsten ist und ausreichend Flüssigkeit nötig ist, um tief in schwer zu desinfizierende Bereiche einzudringen. Diese Reihenfolge der Händedesinfektion dient als Strategie zum Erreichen einer optimalen Keimreduktion:

  • Fingerspitzen und Nagelfalze zuerst: Die Fingerspitzen beider Hände werden direkt in die mit Desinfektionsmittel gefüllte Handfläche „getaucht“ und kreisend eingerieben. Da hier die meisten Erreger sitzen, wird so die optimale Einwirkzeit und Flüssigkeitsverteilung genutzt.
  • Daumen und Fingerzwischenräume: Diese Areale werden bei der Standardmethode am häufigsten vergessen. Sie werden im zweiten Schritt gezielt und satt benetzt.
  • Handflächen und Handrücken: Danach wird das Desinfektionsmittel großflächig auf den Handinnen- und Außenflächen verteilt.
  • Handgelenke: Zum Abschluss wird die Desinfektion auf die Handgelenke ausgeweitet.

Wichtig: Sollten die Hände vor Ablauf der 30 Sekunden trocken werden, muss sofort Desinfektionsmittel nachdosiert werden. Nur eine lückenlose Benetzung garantiert die volle Wirksamkeit.

Methodische Unterstützung durch Training

Praktische Trainingsmethoden unterstützen die korrekte Anwendung der Händedesinfektion, indem sie eine unmittelbare visuelle Erfolgskontrolle ermöglichen. Methoden wie DesiCoach® oder die UV-Kontrolle machen sichtbar, wie vollständig das Desinfektionsmittel auf der Haut verteilt wurde.

Dieses Feedback hilft, die eigenverantwortliche Einreibetechnik sicher zu beherrschen und Händedesinfektion als bewusste Handlung der Infektionsprävention zu verankern.

Funktionen des Feedbacks mit der DesiCoach®-Methode:

  1. Dosis-Validierung: Im ersten Trainingsteil mit dem Färber wird sichtbar, ob die gewählte Dosiermenge ausreicht, um die individuelle Hautoberfläche vollständig zu benetzen.
  2. Technik-Kontrolle & -Optimierung: Benetzungslücken werden im ersten Trainingsteil sichtbar und können anschließend im zweiten Trainingsteil mit dem Entfärber gezielt korrigiert werden.
  3. Reihenfolge-Reflexion: Farbrückstände nach dem Entfärben zeigen, ob die individuell gewählte Reihenfolge geeignet war, auch kritische und schwer zu erreichende Hautbereiche, zum Beispiel Nagelfalze, vollständig mit ausreichend Desinfektionslösung zu erfassen.
  4. Vermeidung von Tropfverlusten: Tropfreste werden im Training bewusst wahrgenommen und helfen, eine Einreibetechnik zu entwickeln, bei der die Flüssigkeit kontrollierter verteilt wird.

Quellen:

  1. Kampf G, Reichel M, Feil Y, Eggerstedt S, Kaulfers PM. Influence of rub-in technique on required application time and hand coverage in hygienic hand disinfection. BMC Infect Dis. 2008 Oct 29;8:149. doi: 10.1186/1471-2334-8-149. PMID: 18959788; PMCID: PMC2600642. ↩︎
  2. AKTION Saubere Hände, Wissenschaftlicher Beirat. Positionspapier Einreibemethode. Verabschiedete Version vom 2011-09-30. Zugriff am 2026-06-11. ↩︎
  3. Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene. S2k-Leitlinie Händedesinfektion und Händehygiene. AWMF-Register Nr. 075-004, Version 4.0, Stand: 2023-02-03. Zugriff am 2026-06-11. ↩︎

Plakat: „Eigenverantwortliche Einreibemethode“ basierend auf S2k-Leitlinie „Händedesinfektion und Händehygiene“, Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene, 2023.

Mit DesiCoach® sichtbar gemachte typische Benetzungslücken, hilfreiche Handgriffe zur vollständigen Benetzung sowie vier Grundsätze zu Menge, Benetzung, kritischen Bereichen und Einwirkzeit.

Plakat herunterladen (PDF):
• DE: Plakat „Eigenverantwortliche Einreibemethode“




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