Glossar
Eigenverantwortliche Einreibetechnik
Die eigenverantwortliche Einreibemethode ist ein Verfahren zur hygienischen Händedesinfektion. Im Gegensatz zur klassischen 6-Schritte-Methode nach der Norm EN 1500 verzichtet sie auf eine starr vorgegebene Abfolge von Bewegungsabläufen. Der Fokus liegt stattdessen auf der vollständigen Benetzung der gesamten Hautoberfläche der Hände mit dem Desinfektionsmittel. „Eigenverantwortlich“ bedeutet, dass Anwenderinnen und Anwender die Händedesinfektion bewusst durchführen und das Ergebnis aktiv im Blick behalten. Maßgeblich ist nicht das bloße Abarbeiten einzelner Bewegungen, sondern die vollständige Benetzung der Hände. Bei der eigenverantwortlichen Einreibemethode steht die lückenlose Benetzung im Mittelpunkt. Die Technik wird so gewählt, dass beide Hände während der angegebenen Einwirkzeit vollständig mit Händedesinfektionsmittel benetzt bleiben.1 2 Die klassische 6-Schritte-Methode beruht auf einer festgelegten Bewegungsabfolge. Sie ist aus der Prüfmethode nach EN 1500 bekannt und kann für Schulungen hilfreich sein. Die Aktion Saubere Hände weist jedoch darauf hin, dass die DIN EN 1500 eine Prüfmethode für Händedesinfektionsmittel ist und keine verbindliche Anleitung für die Einreibetechnik im Alltag.3 Eine festgelegte Bewegungsabfolge führt nach dieser Einordnung nicht automatisch zu einer sicheren Vermeidung von Benetzungslücken. Eine häufig zitierte Studie von Kampf et al. verglich 2008 verschiedene Einreibetechniken mit fluoreszierendem Farbstoff und UV-Licht. Die „responsible application“, also eine eigenverantwortliche Applikation ohne feste Schrittfolge, erreichte eine mindestens vergleichbare Handbenetzung wie die klassische 6-Schritte-Technik. Die Autoren folgern, dass eine hochwertige Händedesinfektion 30 Sekunden benötigt und eigenverantwortliche bzw. angepasste Techniken praxistauglich sein können.4 Eine weitere Studie von Sakmen et al. aus dem Jahr 2019 untersuchte Medizinstudierende und verglich die 6-Schritte-Methode mit einer eigenverantwortlichen Desinfektion. Direkt nach der Schulung zeigten sich keine signifikanten Unterschiede. Bei späteren Messzeitpunkten schnitt die eigenverantwortliche Methode jedoch teilweise besser ab, insbesondere bei der Verteilung des Desinfektionsmittels auf den Händen.5 Die Aktion Saubere Hände ordnet die klassische 6-Schritte-Methode ausdrücklich als Prüfmethode nach DIN EN 1500 ein und nicht als verbindliche Anleitung für die praktische Einreibetechnik im Alltag. Nach dem Positionspapier führt eine festgelegte Bewegungsabfolge nicht automatisch dazu, dass Benetzungslücken sicher vermieden werden. Empfohlen werden daher vor allem Schulung, ausreichende Produktmenge, vollständiges Einreibung und besondere Aufmerksamkeit auf Bereiche mit häufigen Benetzungslücken.6 Die S2k-Leitlinie „Händedesinfektion und Händehygiene“ der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) stützt diesen Ansatz. Für die Bewegungsabfolge nach DIN EN 1500 ist kein Vorteil gegenüber einer selbst gewählten Einreibetechnik nachgewiesen.7 Der Wechsel zur eigenverantwortlichen Einreibemethode erfordert im Gesundheitswesen ein Umdenken in der Schulung, das den Fokus von starren Bewegungsabläufen auf Problembewusstsein und den tatsächlichen Schutzeffekt verlagert. Moderne Schulungsansätze konzentrieren sich darauf, ein Gespür für kritische Areale, die korrekte Menge sowie die Feuchthaltezeit des Desinfektionsmittels zu vermitteln, was die Akzeptanz und Compliance des Personals steigert. Visuelles Feedback ist dabei besonders hilfreich, weil Benetzungslücken unmittelbar sichtbar werden. So lässt sich überprüfen, ob die persönliche Reihenfolge zuverlässig funktioniert und alle relevanten Hautbereiche erreicht werden. Fachliche Empfehlungen von KRINKO/RKI, WHO und Aktion Saubere Hände stützen diesen Fokus auf vollständige Benetzung und praktische Schulung. Quellen:Prinzip der Eigenverantwortlichkeit
Durchführung und Erfolgsfaktoren
Abgrenzung zur 6-Schritte-Methode
Studienlage
Empfehlungen
Bedeutung für Schulung und Training
https://www.aktion-sauberehaende.de/files/public/fileadmin/ash/download-Material/Positionspapiere-Literatur/03-ASH_Positionspapier_Einreibemethode_30092011.pdf ↩︎
https://register.awmf.org/assets/guidelines/075-004l_S2k_Haendedesinfektion-und-Haendehygiene_2023-09.pdf
↩︎
https://www.aktion-sauberehaende.de/files/public/fileadmin/ash/download-Material/Positionspapiere-Literatur/03-ASH_Positionspapier_Einreibemethode_30092011.pdf ↩︎
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/18959788/ ↩︎
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/31815090/ ↩︎
https://www.aktion-sauberehaende.de/files/public/fileadmin/ash/download-Material/Positionspapiere-Literatur/03-ASH_Positionspapier_Einreibemethode_30092011.pdf ↩︎
https://register.awmf.org/assets/guidelines/075-004l_S2k_Haendedesinfektion-und-Haendehygiene_2023-09.pdf
↩︎
Plakat: „Eigenverantwortliche Einreibemethode“ basierend auf S2k-Leitlinie „Händedesinfektion und Händehygiene“, Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene, 2023.
Mit DesiCoach® sichtbar gemachte typische Benetzungslücken, hilfreiche Handgriffe zur vollständigen Benetzung sowie vier Grundsätze zu Menge, Benetzung, kritischen Bereichen und Einwirkzeit.
Plakat herunterladen (PDF):
• DE: Plakat „Eigenverantwortliche Einreibemethode“
• EN: Plakat „Eigenverantwortliche Einreibemethode“

Hilfreiche Handgriffe zum schließen typischer Benetzungslücken
Noch Fragen?
Wir helfen gerne weiter.
Bei allen Fragen zu unseren Produkten, zum Versand, zu Lieferoptionen oder zu Hygienetrainings: Unser Team hilft dir freundlich und kompetent weiter. Ruf einfach an oder schreib uns eine E-Mail.